Shopidee-24 - der Werbeshop
Startseite » Katalog » Touristinfo Heidebogen » Uta Davids: Die Nixmädchen auf des Teufels Kanapee Ihr Konto | Warenkorb | Kasse
Uta Davids: Die Nixmädchen auf des Teufels Kanapee 6,00 EUR
zzgl. Versandkosten

Artikeldatenblatt drucken
Lieferzeit: 3-4 Tage
Uta Davids: Die Nixmädchen auf des Teufels Kanapee

Anders als die reine Geschichts-Wissenschaft, die „sachlich“ ist – also sich auf vorzeigbare Fakten stützt, bringen Sagen auch Erinnerungen in die Gegenwart, die aus dem bloßen Weitersagen und damit verbundener subjektiver Sicht resultieren. Es ist nicht die Sicht der Herrschenden und der Geschichtsschreiber in ihren Diensten, sondern die Sicht der unteren (Jahrhunderte lang leider schriftunkundigen) Unterschicht.

Zwischen Pulsnitz und Röder verläuft die historische Grenze der Mark Meißen und der Mark Oberlausitz. Eine Grenze, scheinbar mitten in Sachsen gelegen, trennte unterschiedliche Kulturräume fast bis in die Gegenwart hinein. Während man in den Burgen der Mark Meißen vornehmlich durch Vasallentreue zum Haus Wettin geprägt war, sah sich die Lausitz der böhmischen Krone zugehörig – selbst als sie dann de facto schon zum Kurfürstentum gehörte.
Die einzigartige, vertraglich untersetzte Sonderrolle der Lausitz hatte hier gewiß auch einen Anteil an der Erhaltung der sorbischen Sprache und Kultur, die westlich der Pulsnitz unterging. Der zentrale, auch in Radeburg sichtbare Berg des Grenzgebietes ist der Keulenberg. Auf der Lausitzer Seite geht die Sage, daß er einst eine wichtige Kultstätte der Wenden (Sorben) war, wo man Radegast verehrte. Im Lausitzer Keulenberggebiet sagt man, daß die Ortsnamen Radeberg und Radeburg auf jenen Radegast zurückgehen. In den beiden Städten selbst, die auf der Meißnischen Seite liegen, hat man andere Theorien zum Namensursprung.  
Im 11. Jahrhundert wurden die Lausitzer Sorben zum christlichen Glauben bekehrt. Eine der schillerndsten Persönlichkeiten jener Zeit war Bischof Benno von Meißen. Er gilt als der „Apostel der Wenden“. Er soll auf seinen Reisen nach Bautzen und in die Lausitzer Besitzungen des Bistums mehrere Orte gegründet haben – BISCHOFswerda und BISCH(hofs)heim zum Beispiel. Auch in der Sage von der Entstehung der Stadt Königsbrück taucht der „Bischof von Meißen“ auf.  Er ist als Heiliger Benno Schutzpraton u.a. von München und Görlitz. Die Bayern haben sogar ein Starkbier nach ihm benannt. Vieles spricht dafür, daß er seinen Fuß auch auf Ebersbacher und Tauschaer Boden gesetzt hat. In Ebersbach kennt man noch einen Heiligen Weg, auf dem er und seine Nachfolger gereist sein sollen. Ohne die Sagen wüßten wir allerdings nichts über den Grund für den Namen des Weges.
Eine wichtige Rolle als treuer Verbündeter des Kaisers in Prag und als Gegenspieler der Meißner Fürsten spielte rund 300 Jahre nach Benno der frühbürgerliche Oberlausitzer Sechsstädtebund. Mit dem Segen des böhmischen Königs, der zugleich deutscher Kaiser war, zogen sie gegen die einst vom Meißner Markgrafen eingesetzten Burgherren, die zu Raubrittern mutiert waren, und brannten entlang der Pulsnitz Burgen und Schlösser nieder – in Königsbrück, Neukirch und Cosel zum Beispiel, andere Burgen wurden so dem Erdboden gleich gemacht, daß man ohne die Sagen von deren Existenz keine Ahnung mehr hätte.
Auch die Sage von den zwei feindlichen Brüdern auf Schloß Schönfeld hat wohl einen historischen Kern.

Aber bei weitem nicht alle Sagen haben einen so engen historischen Bezug. Wenn auch das Sorbische bis 1424 westlich der Pulsnitz noch Amtssprache war und dann als Sprache erst allmählich verschwand, hielt sich doch sorbischer Aberglaube auch hier bis ins 19. Jahrhundert. Mittagsfrau, Wassermann, Nixen Wildes Heer und Kobolde waren bei uns bekannte Sagengestalten, die ihre Wurzeln im heidnischen Glauben der Sorben hatten.

Die Idee für das Projekt „Sagen und ihre Schauplätze“ geht zurück auf eine Initiative, den „Westlausitzer Heidebogen“ als ländliche Region zwischen den Städten Großenhain und Kamenz mittels eines Gebietskonzeptes als EU-Förderregion mit Hilfe des Programmes LEADER+ zu etablieren. Kernvorhaben ist die Schaffung eines touristischen Wegenetzes in dieser „Übergangsregion“ mit zahlreichen Teilprojekten. Eines davon ist das nun vorliegende Heft.
Mithilfe der Sagen und der entsprechenden Beschreibungen wird es möglich, in dieser Region das Trennende zu überwinden und Gemeinsamkeiten hervorzukehren, um sie sowohl Einheimischen als auch Besuchern für touristische Erkundungen zu eröffnen.

Die beschriebenen Sagen finden Sie auf den Routen des touristischen Wegenetzes wieder. Entdecken Sie die sagenhaften Stätten der Heimat wieder. Die Broschüre erhalten Sie für 6 Euro. Der Erlös kommt dem Verein „Westlausitzer Heidebogen e.V.“ zugute, der das Wegenetz ausbauen will – nicht primär die Wege, sondern vorrangig die „Hilfsmittel“, die sehenswerte Plätze unserer Geschichte, Kultur und Natur wieder auffindbar machen sollen.

Übrigens: das Buch ist mit Zeichnungen und Grafiken von Kindern aus der Region illustriert - so wie sie die Sagen und ihre Schauplätze wahrgenommen haben.



Diesen Artikel haben wir am Freitag, 21. November 2008 in unseren Katalog aufgenommen.
   
Parse Time: 0.432s